Fr, 14.11.: Nach dem Brand

Dokumentarfilm, BRD 2012, 50 min, Regie und Buch: Malou Berlin credo:film

[pullquote align=”left|center|right” textalign=”left|center|right” width=”30%”]Freitag, 14. November 2014
19 Uhr
SCALA Programmkino
Apothekenstraße 17
Lüneburg
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Am 23. November 1992 legen Neonazis in Mölln einen Brand im Haus der türkischstämmigen Familie Arslan. Der siebenjährige Ibrahim überlebt den Brandanschlag, bei dem drei Familienmitglieder sterben: seine Schwester, seine Oma und seine Cousine.

15 Jahre später, kurz vor der Haftentlassung der Täter, beginnen die Dreharbeiten. Die Regisseurin Malou Berlin begleitet die Familie Arslan vier Jahre bei dem Versuch, mit der Trauer und dem Trauma umzugehen. Sie zeigt auf behutsame Weise, in welchem Spannungsfeld sie sich bewegen:
zwischen den traumatischen Folgen des Anschlags und dem Wunsch nach einer unbekümmerten Gegenwart. Trotz des Zuspruchs von Verwandten, Nachbar_innen und Freund_innen gibt es für die Familie Arslan keinen normalen Alltag mehr. Der Film lässt uns an ihrem Alltag teilhaben und damit auch an der Auseinandersetzung über ihre persönliche und zugleich politische Geschichte. Nach dem Brand ist das eindrückliche Porträt einer Familie, die zwei Jahrzehnte nach dem Brandanschlag noch immer mit den Folgen der erlebten Gewalt und der Sinnlosigkeit ihres Verlustes ringt.

Die Folgen solcher Anschläge werden oftmals schnell vergessen: Was passiert mit den Angehörigen und Überlebenden? Wie gelingt es ihnen trotz der Trauer und Ohnmacht die Kraft zu finden, um für Aufklärung zu kämpfen, für Anerkennung und für ihre Würde?

Ibrahim Arslan wird an diesem Abend zu Gast im Scala-Kino sein.

Eine Filmveranstaltung im Rahmen der Ausstellung “Opfer Rechter Gewalt seit 1990″, die vom 5. bis 21. November 2014 in der St. Nicolai Kirche gezeigt wird.

Informationen zum Film: www.credofilm.de/filme/nach_dem_brand.html

SCALA-Kino: www.scala-kino.net

Informationen zur Ausstellung: www.opfer-rechter-gewalt.de

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Do, 13.11.: NSU: Rechter Terror und das Versagen des Staates

Drei Jahre ist es her, dass sich der “Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU) selbst enttarnte. Zehn Morde, mehrere Sprengstoffanschläge und zahlreiche Banküberfälle gehen auf das Konto dieser rechten Terrorgruppe. Die Täter waren keine isolierte Zelle, sondern fest in organisierte Strukturen – nicht nur in Thüringen oder Sachsen – eingebettet.

 

[pullquote align=”left|center|right” textalign=”left|center|right” width=”30%”]

Donnerstag, 13. November 2014
19 Uhr
VHS
Haagestraße 4
Lüneburg

 

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Der rechte Terror des NSU erwuchs aus dem Rassismus in der Gesellschaft, der Verharmlosung der rechten Gefahr, dem systembedingten Versagen der Geheimdienste und Behördenkumpanei. Eine Spur braunen Terrors zieht sich durch Deutschland: neun Morde mit derselben Waffe und die rätselhafte Hinrichtung einer Polizistin. Die aus der Türkei und aus Griechenland stammenden ermordeten Gewerbetreibenden wurden durch staatliche Ermittlungen kriminalisiert und es wurde gegen ihre Angehörigen ermittelt. Rassismus und neofaschistische Ideologie wurden als Motive ausgeschlossen, Spuren, die in die rechte Szene führten, wurden nicht weiter verfolgt. Fazit der zahlreichen Untersuchungsausschüsse: Schreddern, Spitzeln, Staatsversagen.

Die Veranstaltung dient dem Versuch einer Bestandsaufnahme und zeigt, welches Bild sich heute vom NSU zeichnen lässt. Vom Entstehen des braunen Terrors, dessen Unterstützer aus dem „Thüringer Heimatschutz“, den Neonazi-Kameradschaften, der NPD und dem internationalen Neonazi-Netzwerk „Blood & Honour“sowie das jahrelange Wegschauen von Verantwortlichen aus Politik und Sicherheitsbehörden.

Eine Veranstaltung mit Katharina König. Abgeordnete im Thüringer Landtag und ehemalige Obfrau für die Linksfraktion im Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss.

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Do, 06.11.: Die Möllner Rede im Exil

Bei einem rassistischen Brandanschlag am 23. November 1992 wurden die 10jährige Yeliz Arslan, die 14jährige Ayşe Yilmaz und die 51jährige Bahide Arslan in Mölln ermordet. Weitere Familienmitglieder wurden teilweise sehr schwer verletzt. Zuvor hatten die Neonazis bereits einen Brandanschlag auf ein anderes Haus verübt, wo ebenfalls Menschen türkischer Herkunft wohnten. Neun von ihnen erlitten schwere Verletzungen.

Die Möllner Rede ist seit 2009 Bestandteil des Gedenkens an die Brandanschläge von Mölln. Im Jahr 2013 wollte die Stadt Mölln die Gedenkveranstaltung wieder nach ihren Vorstellungen gestalten. Vorbei an den Interessen der Überlebenden. Und wieder bestimmen, wer wann und wo spricht, und wer überhaupt eingeladen wird. Die Möllner Rede wurde als kritische Bestandsaufnahme zum gesellschaftlichen Rassismus und Neofaschismus aus den offiziellen Gedenkveranstaltungen gestrichen. Sie fand daher am 22.November 2013 im Hamburger Rathaus statt.

In diesem Jahr findet die Möllner Rede erneut im Exil statt. Im Rahmen der Ausstellung „Opfer rechter Gewalt“ in Lüneburg. In diesem Jahr wird Adetoun Küppers-Adebisi die Rede halten.

[pullquote align=”left|center|right” textalign=”left|center|right” width=”30%”]Donnerstag, 6. November 2014
19 Uhr
Glockenhaus
Lüneburg
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Adetoun Küppers-Adebisi ist Diplom-Wirtschaftsingenieurin und schreibt an ihrer Doktorarbeit zu Gender und postkolonialem Wastemanagement zwischen Deutschland und Afrika. Die Präsidentin von AFROTAK TV cyberNomads, dem Schwarzen Deutschen Kultur, Medien und Bildungsarchiv infiltriert mit eigenen Wissensmanagement-Ansätzen den weißen Mainstream. Gegenwärtig arbeitet die Autorin und Publizistin als Lehrbeauftragte für Schwarze,- und Afrikanisch-Deutsche Literatur an der Humboldt Universität zu Berlin. Für ihr zivilgesellschaftliches Engagement hat die Kultur,- und Medien-Aktivistin viele nationale und internationale Auszeichnungen erhalten. Mutig und beharrlich verfolgt Adetoun Küppers-Adebisi ihr Ziel: eine friedliche, gleichberechtigte Gesellschaft, die frei ist von ethnischer, religiöser und geschlechtsspezifischer Diskriminierung.


Eine gemeinsame Veranstaltung vom Freundeskreis im Gedenken an den rassistischen Brandanschlag von Mölln 1992  und dem Lüneburger Netzwerk gegen Rechts.

www.gedenkenmoelln1992.wordpress.com

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Die Katastrophe von Lampedusa

Presseinformation des amikeco-Willkommensinitiative e.V. und des Lüneburger Netzwerks gegen Rechts

Szenische Lesung in Scharnebeck und Lüneburg

3. Oktober 2013 – wenige Hundert Meter vor der Küste der italienischen Insel Lampedusa ereignet sich eine entsetzliche Katastrophe. Ein Boot mit mehr als 500 afrikanischen Geflüchteten an Bord gerät in Brand und kentert. 366 Menschen, darunter viele Kinder, sterben.

Die Katastrophe rüttelt Europa wach, die Kritik an der Flüchtlingspolitik der EU-Staaten wächst, immer mehr Menschen erkennen die Unmenschlichkeit vor der eigenen Haustür. Von mehr als 23.000 toten geflüchteten Menschen in den vergangenen zehn Jahren ist die Rede.

Der in Hannover lebende italienische Autor Antonio Umberto Riccó hat dokumentierte Zeugen- Schilderungen vom 3. Oktober 2013 zu einer szenischen Lesung verarbeitet. Sie erinnert zusammen mit der Musik des ebenfalls in Hannover lebenden Komponisten Francesco Impastato und Bildern des Geschehens auf berührende Weise an diesen Tag der Trauer.

Die Texte erzählen die Geschichten der Geflüchteten, ihrer Retter_innen und jener, die keine Hilfe geleistet haben. Sie stellen Fragen nach dem Hergang der Katastrophe, der Rolle der italienischen Küstenwache, dem Schicksal der Überlebenden – und nach der Menschlichkeit der europäischen Rechtsordnung.

Am Freitag, 3. Oktober 2014, dem Jahrestag der Katastrophe, führen Mitglieder der Willkommensinitiative Lüneburg und des Lüneburger Netzwerks gegen Rechts die szenische Lesung im Gemeindehaus Scharnebeck, Hauptstraße 50, auf. Beginn ist um 17 Uhr.

Am Sonntag, 12. Oktober 2014, wird die Lesung im Lüneburger Theater im e.novum, Munstermannskamp 1, um 11 Uhr wiederholt.

Im Anschluss der Lesungen finden jeweils Diskussionen zu der Flüchtlingspolitik der EU und der Situation der geflüchteten Menschen in Stadt und Landkreis Lüneburg statt.

Bei beiden Veranstaltungen ist der Eintritt frei. Die Veranstalter_innen bitten um Spenden für den Verein amikeco-willkommensinitiative e.V., der in Lüneburg Arbeit für geflüchtete Menschen leistet.

Anbei finden Sie eine Leseprobe aus der angekündigten Lesung.

amikeco-Willkommensinitiative e.V Lüneburger Netzwerk gegen Rechts

Leseprobe zum Download

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Keupstraße und Rassismus

 Anschlag – Folgen – Konsequenzen –

»Ein rechtsradikaler Hintergrund kann ausgeschlossen werden« (Otto Schily, 10.06.2004). Weil nicht sein konnte, was nicht sein durfte, schloss der damalige Bundesinnenminister einen rassistischen Hintergrund des Nagelbomben-Anschlages in der Kölner Keupstraße sofort aus. Heute wissen wir es besser. Heute wissen wir von den rassistisch-motivierten Ermittlungsmethoden der Polizei, das der Verfassungsschutz seine V-Leute in den Nazigruppen systematisch schützte und Akten vernichtete und die rechte Terrorgruppe NSU ungehindert morden konnte.

KeupstrschildDie Keupstraße ist bekannt als die zentrale Geschäfts- und Ladenstraße der türkischen Community in Köln; weit über die Stadtgrenzen hinaus. Am 9. Juni 2004 explodierte dort am helllichten Tag  eine von Nazis gezündete Nagelbombe mit dem Ziel, möglichst viele, vermeintlich nicht-deutsche Menschen zu töten und zu verletzen und deren anliegende Geschäfte und Häuser zu zerstören. Dieser versuchte Massenmord durch den „Nationalsozialistischen Untergrund“, der nur durch glückliche Zufälle keine Todesopfer gefordert hat, steht in der Kontinuität einer rassistischen Konjunktur, die seit dem Mauerfall hunderten von Menschen das Leben kostete und nicht nur unter Migrantinnen und Migranten entsetzliches Leid verursachte.

Bis zur Selbstenttarnung des NSU 2011 ermittelten die Behörden ausschließlich gegen die zum Teil schwer Verletzten und Geschädigten der Bombe und machten aus Opfern Täter. Die Medien und die Öffentlichkeit flankierten diese Handlungen mit dem Gerede von angeblich „kriminellen Ausländermilieus“.

Informationsveranstaltung:
Mit Kutlu Yurtseven, der vor zehn Jahren in der Keupstraße lebte und Zeuge des Anschlags und der Folgen davon ist, wollen wir über die damaligen Geschehnisse in Köln und den rassistischen Terror des NSU reden. Wie sind die Ermittlungsbehörden, die Medien und die Politik in der Folge des Nagelbomben-Anschlages in Köln mit den Anwohner_innen umgegangen? Welche Folgen hatte und hat das für die Betroffenen und für die gesamte Community? Was für Wünsche, Hoffnungen und Ängste verbinden die Menschen aus der Keupstrasse nicht nur mit dem Prozess in München?

Freitag, 23. Mai 2014, 18:00 Uhr
Freiraum, Salzstr. 1, Lüneburg

[important]Anschließend ab 19.30 Uhr findet im Salon Hansen ein Konzert mit Esther
Bejanaro & Microphone Mafia statt.
[/important]


Veranstalterinnen: DGB Region Nord-Ost-Niedersachsen, DGB Kreisvorstand Lüneburg/Harburg Land, Ver.di Ortsverein Lüneburg, Netzwerk gegen Rechts Lüneburg, IG Metall Celle Lüneburg, GEW KV Lüneburg. In Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Nds.


www.netzwerk-gegen-rechts.net     •     www.keupstrasse-ist-ueberall.de

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ENTFÄLLT: 19.05.2014 – Infoveranstaltung: “Druck von Rechts”

[notice]¡¡¡ Die Veranstaltung muss leider wegen Krankheit des Referenten entfallen !!![/notice]

 

In mehreren europäischen Ländern sind rechte und rechtspopulistische Parteien bei Wahlen auf dem Vormarsch. Die “Wahren Finnen” beispielsweise vervierfachten 2011 ihren Stimmenanteil auf fast 20%. Sie reklamieren, die wahren Interessenvertreter der “kleinen Leute” zu sein und hetzen mit rassistischer Rhetorik gegen MigrantInnen und Flüchtlinge. In Frankreich gewinnt der Front National mit antieuropäischen und antiislamischen Parolen zunehmend Wählerstimmen. Bei der Europawahl 2014 werden ihm 20% prognostiziert. Die offen neonazistische Partei “Goldene Morgenröte” in Griechenland verbreitet auf den Straßen Angst und Schrecken, macht Jagd auf Migranten, verprügelt politische Gegner, bekam bei den Wahlen 2012 fast 7% der Stimmen.

Die rechtspopulistische Bewegung in Europa hat in den letzten Jahren erheblichen Auftrieb erhalten. So gehören rechtspopulistische und nationalchauvinistische Parteien inzwischen zum parlamentarischen Alltag in vielen europäischen Ländern. Personen wie Geert Wilders oder Marine Le Pen fungieren zunehmend als Ikonen einer europafeindlichen Bewegung, die sich den Kampf gegen den europäischen Integrationsprozess und seine Institutionen auf die Fahne geschrieben hat. Das strukturelle Demokratiedefizit und die fehlende Bürgernähe der Europäischen Union, die Folgen der systemischen Fiskal- und Schuldenkrise, aber auch die zunehmenden Migrationsbewegungen vor den Grenzen Europas scheinen diesen Parteien geeignete politische Gelegenheitsstrukturen zu bieten, sich in ihrer Kritik als vermeintliche “Vertreter der kleinen Leute” gegen das “technokratische Ungetüm in Brüssel” zu gerieren. Den komplexen Krisenmomenten setzen sie einfache und emotional aufgeladene Lösungen entgegen

In Zeiten der Krise fallen rechtspopulistische Parolen zu “Problemlösungen” offenbar bei vielen Menschen auf fruchtbaren Boden. Die massiven Umbrüche in der Arbeitswelt mit zunehmender Prekarisierung und Aushöhlung des “Normalarbeitsverhältnisses” führen vielfach zu sozialen Abstiegsängsten. Man greift zu gezielter Abwertung einzelner Gruppen, meist sind es Zuwanderer oder Flüchtlinge. Eingeteilt werden Menschen dann oft nach dem Kriterium ökonomischer Nützlichkeit. Ausgegrenzt werden all diejenigen, die sich nicht diesen Normen von Leistung, Nützlichkeit und Integration diszipliniert fügen können oder wollen. Humanität und Solidarität bleiben dabei auf der Strecke. Findet hier quer durch Europa eine Aufkündigung des Sozialen statt?

Trotz zahlreicher Differenzen der europäischen Parteien untereinander, haben führende Persönlichkeiten des europäischen Rechtspopulismus zur Europawahl ein Bündnis ausgerufen und die aktuellen Umfragen deuten in der Tat darauf hin: Den Rechtspopulisten könnte ein starker Einzug in das Europaparlament gelingen.

Infoveranstaltung im Vorfeld der Europa-Wahlen mit Prof. Dr. Fabian Virchow, Leiter des Forschungsschwerpunkts Rechtsextremismus/Neonazismus der Fachhochschule Düsseldorf.

Montag, 19. Mai 2014
19:00 Uhr
Glockenhaus
Lüneburg

Bildungswerk ver.di Lüneburg
Lüneburger Netzwerk gegen Rechts

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12.&13.05.2014 – Infoveranstaltung: “Rechte Euro-Rebellion”

Buchvorstellung und Infoveranstaltung zur “Alternative für Deutschland” (AfD)

EurorebellionErst im Frühjahr 2013 als vermeintliche Anti-Euro-Partei gegründet und bereits im September letzten Jahres nur knapp am Einzug in den Bundestag gescheitert – die Aufstiegsgeschichte der “Alternative für Deutschland” (AfD) ist durchaus ungewöhnlich rasant und nicht minder gefährlich.

Die AfD rechnet sich gute Chancen aus, in das Europäische Parlament einzuziehen. Wobei es kein Zufall ist, das genau jetzt eine solche rechte Sammelbewegung zur Partei formiert, die versucht, mit rechtspopulistischer Politik die Lücke rechts der Union zu füllen, die in anderen europäischen Staaten längst durch etablierte extrem rechte oder rechtspopulistische Parteien gefüllt wird.

Mit ihrem dürftigen Wahlprogramm trat sie nach außen als Einpunktbewegung gegen die Euro-Politik der Bundesregierung an. Tatsächlich ist die AfD aber lange vor den Debatten um Europäische Schutzschirme geplant worden. Deren Volkswirtschaftsprofessoren haben bereits 2005 nach den Hartz-IV-Gesetzen weitere Einschnitte ins soziale Netz gefordert. Auch in der Bildungs-, Familien- und Einwanderungspolitik beziehen sie sozial ausgrenzende Positionen. Zusammen mit dem rechtskonservativen Netzwerk “Zivile Koalition” fordern sie unternehmergerechte “Reformen der politischen Entscheidungsstruktur”. Während Spitzenfunktionäre der AfD vor einiger Zeit noch die Abschaffung des Wahlrechts für Erwerbslose oder gleich des ganzen Parlamentes forderten, sehen sie aktuell in der “Direkten Demokratie” eine elegantere Möglichkeit ihre Vorstellungen einer sozialselektiven “Demokratie” umzusetzen.

In seinem Buch “Rechte Euro-Rebellion – Alternative für Deutschland und Zivile Koalition e. V.” geht Andreas Kemper genauer auf die Entstehungsgeschichte, Hintergründe und Förderer der neuen rechten Gruppierung, wie auch auf ihre politischen Positionen und Ziele ein. Warum tauchen Begriffe wie “direkte Demokratie” und “alternative Bewegung” plötzlich im Zusammenhang mit nationalistischer Abkapselung, sozialem Elitedenken und Marktradikalismus auf? Wie kann mensch auf diese Partei reagieren, die mit offenen Nazis nichts zu tun haben möchte, aber durchaus Personen aus der extremen Rechten einen Platz bietet?

Auf der Veranstaltung stellt der Soziologe und Publizist Andreas Kemper sein in der edition assemblage erschienenes Buch vor.

Er forscht und publiziert zu den Themen Klassendiskriminierung, organisierter Antifeminismus und Sarrazin-Debatte. Aktuell erschien “Sarrazins Correctness. Ideologie und Tradition der Menschen- und Bevölkerungskorrekturen” im Unrast-Verlag.

Informationen:
www.andreaskemper.wordpress.com

Montag, 12. Mai 2014
19:00 Uhr
Glockenhaus
Lüneburg

Dienstag, 13. Mai 2014
19:00 Uhr
Selbstorganisiertes Zentrum (SoZ)
Ringstr. 27b
Uelzen

Bildungswerk ver.di
Lüneburger Netzwerk gegen Rechts
Uelzener Bündnis gegen rechts

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29.10.2013 – Buchvorstellung mit Andreas Speit: Geschichte und Gegenwart rechter Gewalt in Deutschland

sDie rassistisch motivierten Verbrechen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) mit vermutlich zehn Morden und mehreren Bombenanschlägen offenbaren eine neue Dimension rechter Gewalt. Doch dies ist kein Einzelfall. Seit 1949 haben Rechtsextremisten immer wieder rechte Terrorgruppen gebildet, die nach ähnlichem Muster agierten: konspirative Kleinstzellen, Raubüberfälle zur Geld- und Waffenbeschaffung, Anschläge gegen Migranten, politische Gegner und gesellschaftliche Einrichtungen. Der Blick hinter die Kulissen offenbart, dass die Gewalttäter von gestern und heute keineswegs isoliert tätig sind und dass die von ihnen ausgehende Gefahr von den Behörden jahrzehntelang unterschätzt wurde.

Andreas Speit hat zusammen mit Andrea Röpke die Szene über viele Jahre beobachtet und frühzeitig auf diese Gefahren hingewiesen. In ihrem gemeinsam herausgegebene aktuelle Buch „Blut und Ehre – Geschichte und Gegenwart rechter Gewalt in Deutschland“ zeichnen die beiden renommierten Autoren die Gewalt und den Terror der Extremen Rechten von 1945 bis 2013 in Deutschland nach. Das Buch ordnet detailliert die verschiedenen Gruppierungen der rechten Szene Deutschlands historisch ein.

Andreas Speit, arbeitet als freier Journalist unter anderem für Zeit online und Freitag und wurde mehrfach ausgezeichnet durch den Deutschen Journalistenverband. Er ist Autor der taz-Nord-Kolumne Der rechte Rand, war Sachverständiger bei der Anhörung zu den NSU-Taten im sächsischen Landtag und ist Autor und Herausgeber diverser Bücher zum Thema Extreme Rechte.

Dienstag, 29. Oktober 2013
19:00 Uhr
Glockenhaus Lüneburg

Eine Veranstaltung des Lüneburger Netzwerk gegen Rechts

Angehörige extrem rechter Organisationen und Parteien, Teilnehmer von neonazistischen Veranstaltungen, Demonstrationen oder Konzerten haben zu dieser Veranstaltung keinen Zutritt !

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05.11.2013 – Die “Identitäre Bewegung” – Eine neu(e) rechte Jugendbewegung oder nur ein Sturm im Web 2.0?

fSie geben sich jung, dynamisch, modern, nutzen ein gelbes Lambda-Symbol anstatt typisch rechter Symbolik und warten mit Slogans wie “100% Identität – 0% Rassismus” auf – die “Identitäre Bewegung”.

Mit der Besetzung eines Moscheedaches im französischen Poitiers am 20. Oktober 2012 machte die „Génération Identitaire“ über die Landesgrenzen hinaus von sich Reden. Sie ist wie der „Bloc identitaire“ und dessen Jugendorganisation „Jeunesses identitaires“ eine von mehreren neu-rechten Gruppierungen in Frankreich, die sich als „Identitäre“ bezeichnen. Mittels öffentlichkeitswirksamer Aktionen protestieren sie gegen die 1968er Generation, Zuwanderung und eine angebliche Islamisierung Europas. Auch in Deutschland versuchen sich die „Identitären“ durch die Verwendung von Begriffen wie Heimat und Kultur anschlussfähig zu geben um ihre rassistischen Inhalte in die Mitte der Gesellschaft tragen zu können.

Seit einigen Monaten treten auch im deutschsprachigen Raum „identitäre“ Gruppen auf, die unter anderem via Facebook und Flashmobs insbesondere junge Menschen ansprechen wollen. Wie zum Beispiel am 30.10.2012, als eine Handvoll Aktivisten mit weißen Masken kurzzeitig die Eröffnung der Frankfurter „Interkulturellen Woche“ störte. Mit lauter Techno-Musik und Schildern „IBD“ und „Multikulti wegbassen“ zogen sie die Aufmerksamkeit auf sich und machten erstmals in Deutschland auf die „Identitäre Bewegung“ aufmerksam. Weitere Aktionen in Frankfurt/Main und Berlin folgten, ehe es im Dezember 2012 zu einem ersten bundesweiten Treffen der „Identitären Bewegung Deutschland“ (IBD) unter Beteiligung von Vertretern aus Frankreich und Österreich kam.

Die sogenannte „Identitäre Bewegung Deutschland“ schafft zwar die strömungsübergreifende Bündelung von jungen Aktivisten aus der antimuslimischen und „Neuen“ Rechten, ist sich aber uneins darüber inwieweit Neonazis mit dazu gehören.

Im Landkreis Lüneburg tritt seit November 2012 eine rund 15 köpfige Gruppe von jungen Leuten als „Identitäre“ auf. So gab es eine Aktion in der örtlichen Mc Donalds Filiale, einen Auftritt als „Helfer“ beim Elbehochwasser und regelmäßige Propagandaaktionen. Eingebunden ist dieser Personenkreis in norddeutsche Strukturen der „Identitären“, wobei deutliche Anleihen an alte neofaschistische Inhalte zu erkennen sind. Verwundern tut dies nicht, wird die regionale Gruppe doch angeleitet von einem jungen Mann aus Bardowick, der bis zum Herbst 2012 noch für die NPD aktiv war und jetzt versucht die rassistische „identitäre“ Ideologie im vorpolitischen und kulturellen Raum zu verbreiten.

Margarete Schlüter (Autorin in „Der rechte Rand“) führt auf der Veranstaltung in die neu-rechte Strömung der „Identitären“ ein und beleuchtet ihre Politik und Rolle innerhalb der extrem rechten Bewegung in Deutschland.

Dienstag, 05. November 2013
19:00 Uhr
Glockenhaus Lüneburg

Eine Veranstaltung des Lüneburger Netzwerk gegen Rechts

Angehörige extrem rechter Organisationen und Parteien, Teilnehmer von neonazistischen Veranstaltungen, Demonstrationen oder Konzerten haben zu dieser Veranstaltung keinen Zutritt !

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Rechte Erzieherin in Lüneburger Kita

In einer Lüneburger Kita soll eine Erzieherin nach Jahren Erziehungspause ihre Stelle wieder einnehmen.
Dagegen gibt es empörten Widerstand der Eltern, die seit nunmehr 2 Jahren gegen eine Wiederaufnahme des Beschäftigungsverhältnisses kämpfen, weil damals bekannt wurde, dass die Erzieherin enge Beziehungen zur NPD und weiteren rechten Kreisen unterhält, resp. darin eingebunden ist.

Anfangs mit Erfolgen, auch ihrer guten Öffentlichkeitsarbeit wegen, letztendlich aber durch inkompetentes Verwaltungshandeln ging alles schief. Die Stadt will nun diese Erzieherin wieder eingliedern.
Aber der Protest der Eltern geht weiter!

Jetzt fand eine Podiumsdiskussion im Lüneburger Glockenhaus statt, die von den hochengagierten Eltern und dem “Lüneburger Netzwerk gegen Rechts” veranstaltet wurde. Auf dem Podium saßen namhafte Akteure gegen ein weiteres hoffähig machen von Neonazis. Unter anderen diskutierten Andreas Speit, taz-Journalist und Autor zahlreicher Bücher und Artikel zum braunen Sumpf. Und: Ute Schmidt, Leiterin der Landeskoordinierungsstelle für Demokratie und Toleranz in Mecklenburg-Vorpommern.

Dieser Beitrag beleuchtet die Geschichte des Lüneburger Kita-Krimis und fragt die beiden Podiumsgäste, sowie den betroffenen Vater eines Kita-Kindes zu dem Fall der Rechten Erzieherin.

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