Sep 11 2015

Nazi-Aufmarsch in Hamburg und sonstewo verhindern!

Heute hat das Hamburger Oberlandesgericht das Verbot des Naziaufmarsches am morgigen Samstag bestätigt und die Beschwerde der Anmelder zurückgewiesen.  Auch das OVG befürchtet „Gewaltexzesse“ und für das OVG ist es „nicht ersichtlich, dass der Versammlungsleiter in der Lage und willens wäre, eine derartige Gewalteskalation zu unterbinden“.
Die Nazis haben jetzt noch die Möglichkeit zum Bundesverfassungsgericht zu gehen. Eine Entscheidung kann jetzt auch erst in der Nacht oder morgen früh fallen.

Für Lüneburg besteht nun die Situation, dass wir mit einem spontanen Naziaufmarsch rechnen müssen, sollte das Bundesverfassungsgericht das Verbot letztinstanzlich bestätigen. Die Nazis planen, auch wenn Hamburg verboten bleiben sollte, nach Norddeutschland zu fahren. Die einzelnen Reisegruppen werden dann unterwegs darüber informiert, wo sie hinfahren sollen. In einer internen Nachricht der Veranstalter heißt es unmissverständlich: /„Hamburg wird natürlich weiter bis ins letzte Gericht geklagt, wenn wirklich etwas nicht so laufen sollte wie wir es möchten dann wird Plan B greifen. […] Die Anreise wäre für alle fast die selbe und die Reisegruppen werden einwenig umgeleitet. Also es heißt natürlich weiterhin: ALLES FÄHRT RICHTUNG HAMBURG!“/

Wir müssen davon ausgehen, dass „einwenig umgeleitet“ eben auch „nach Lüneburg“ heißen kann. Dafür gibt es verschiedene Indizien. Zum einen erhielten der DGB und Die Linke anonyme E-Mails, in denen ein solcher Aufmarsch vor Ort in Aussicht gestellt wurde. Zum anderen riefen bei uns Personen an, die ebenfalls solche Informationen gaben. Dies kann natürlich auch das Ziel verfolgen,  falsche Fährten zu legen und zu verwirren.
Hinzu kommt aber, dass neben unserer genehmigten Kundgebung für Samstag eine weitere auf dem Bahnhofsvorplatz angemeldet wurde. Diese wurde in keiner Weise beworben und wir wissen auch nicht, wer sich hinter dieser Anmeldung verbirgt. Auch wenn als Motto „Lüneburg ist bunt“ und als Grund etwas gegen den Naziaufmarsch in Hamburg zu unternehmen angegeben wurde, kann nicht ausgeschlossen werden, dass hier etwas unter falscher Flagge angemeldet wurde.

Diese Gesamtsituation zwingt uns nun zu folgendem Vorgehen:

1. Sollte der Naziaufmarsch in Hamburg verboten bleiben und die Nazis in keinem anderen Ort eine Versammlung genehmigt bekommen, dann schlagen wir folgendes Vorgehen vor: Bitte informiert Euch Nachts und am Morgen über die weiteren Entwicklungen. Dazu könnt Ihr auch unser Infotelefon (0172-4152311) anrufen. Bei einem bestehenden Verbot in Hamburg rufen wir Euch dazu auf, am Samstag pünktlich um 11 Uhr zum Lüneburger Bahnhof zu kommen. Dort ist auf dem Vorplatz eine von uns angemeldete Kundgebung genehmigt worden. Dort gibt es dann Informationen über die weiteren Entwicklungen. Wir werden nicht zulassen, dass Nazis und rechte Hooligans in Lüneburg marschieren können. In Lüneburg darf kein Platz für Rassismus sein.

2. Sollte das Verbot vom Bundesverfassungsgericht aufgehoben werden, so rufen wir Euch dazu auf, am Samstag nach Hamburg zu fahren und Euch dort an den antifaschistischen Aktionen zu beteiligen.
Sollten den Nazis in einem anderen Ort ein Aufmarsch genehmigt werden, so rufen dazu auf, dorthin zu fahren.

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Jun 15 2015

Solidaritätsbekundung für den IG Metall Gewerkschaftssekretär Lennard Aldag

Nach der kürzlich bekannt gewordenen Überwachung des IG Metall Gewerkschaftssekretärs Lennard Aldag durch den niedersächsischen Verfassungsschutz ist es unumgehbar, dass auch wir uns als „Lüneburger Netzwerk gegen Rechts“ zu Wort melden. Wir erklären uns gegenüber Lennard Aldag, als Teil des Netzwerkes gegen Rechts in seiner Funktion als Gewerkschaftssekretär der IG Metall Verwaltungsstelle Celle Lüneburg, solidarisch.

Wir verurteilen die Überwachung unseres Kollegen im Zeitraum 2011 bis 2013, in der er haupt- sowie ehrenamtlich für den DGB Region Nord-Ost-Niedersachsen tätig war, aufs Schärfste. Aus der Antwort auf die Anfrage beim Niedersächsischen Verfassungsschutz geht hervor, dass Aldag u.a. bei verschiedenen Veranstaltungen des Netzwerkes gegen Rechts beobachtet wurde. Die Reaktion der Präsidentin des Verfassungsschutzes Niedersachsen, Maren Brandenburger, es würden keine Gewerkschaften im Allgemeinen beobachtet, sondern Einzelpersonen mit einem vermeintlichen extremistischen Umfeld, verurteilen wir aufs Schärfste. Zivilgesellschaftliches Engagement in verschiedenen Bündnissen wird dadurch unter einen extremistischen Generalverdacht gestellt. Außerdem kann nicht von einer Privatperson gesprochen werden, wenn die betreffende Person in ihrer beruflichen Rolle auf Veranstaltungen auftritt.

Aus der Antwort des Verfassungsschutzes auf die Anfrage von Lennard Aldag geht eindeutig hervor, dass Aldag auf Veranstaltungen des Netzwerkes gegen Rechts sowie Anti-Atom-Kundgebungen beobachtet wurde, während er eindeutig Tätigkeiten für den DGB (Region Nord-Ost-Niedersachsen) ausübte und sich auch in dieser erkennbar machte. Satzungsgemäß ist es eine Aufgabe der Gewerkschaften, sich rechten Tendenzen in dieser Gesellschaft entgegenzustellen. Wenn nun eine Person unter einen extremistischen Generalverdacht gestellt wird, weil er seinen Beruf nach den Zielen der Institution ausübt, sind wir alle betroffen.

Die erfolgreiche Bündnisarbeit gegen Rechts in Lüneburg ist vor allem dem Faktor zu verdanken, dass wir ein heterogenes Netzwerk sind, in dem die Akteur_innen eng zusammenarbeiten. Wir lassen uns nicht vorschreiben, wer Teil dieses Netzwerkes sein soll. Unsere Netzwerkarbeit lebt von der Vielfalt und der Expertise der handelnden Akteure und Akteurinnen. Die Beobachtung des Gewerkschaftssekretärs Lennard Aldag jedoch zeigt, dass es scheinbar staatlich erwünschtes sowie unerwünschtes Engagement gibt.

Wir lassen uns durch die staatliche Überwachung nicht einschüchtern oder uns in unserer Arbeit verunsichern. Es ist unsere zivilgesellschaftliche Aufgabe, über rechte Strukturen, rechtspopulistische Hetze sowie staatliche Verfehlungen aufzuklären und uns rassistischen Übergriffen entgegenzustellen. Derzeit zeigt das Lüneburger Netzwerk gegen Rechts in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung und dem AStA der Universität Lüneburg die Ausstellung „Versagen mit System – Geschichte und Wirken des Verfassungsschutzes“. Das gleichzeitige Bekanntwerden der Überwachung von Lennard Aldag zeigt die Brisanz des Themas und bestätigt uns in unserer Arbeit.

Es ist nicht hinnehmbar, dass Menschen in der Ausübung einer legitimen, legalen und demokratischen Tätigkeit ausspioniert werden. Zivilgesellschaftliches Engagement ist notwendig – Wir lassen uns nicht durch staatliche Spitzelei vorschreiben, welches legitim und welches illegitim sein soll!

Wir fordern einen sofortigen Stopp der Überwachung von Gewerkschaften, Anwält_innen, Journalist_innen sowie Bürgerinitiativen und anderer aktiver Gruppen in der Arbeit gegen Rechts. Das höchste Gut unserer Netzwerkarbeit ist die Solidarität! Wir lassen uns nicht spalten, sondern setzen uns gemeinsam für eine bessere, diskriminierungsfreie Gesellschaft ein!

Netzwerk gegen Rechts – Lüneburg

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Jun 14 2015

Pegida – Alltagsrassismus bekommt ein Gesicht

Seit einigen Monaten stehen auf Marktplätzen quer durch die Republik tausende Menschen, die sich über die, ihrer Meinung nach, zunehmende „Islamisierung“ der Gesellschaft beklagen. Anstatt sich aktiv einzubringen und Menschen zu unterstützen, die aus der schlimmsten Gefahr um ihr Leben fliehen, oftmals schwerst traumatisiert sind und hier in aller Regel nach einer langjährigen Flucht endlich Schutz, Hilfe und Geborgenheit finden möchten, haben diese Pegida-Gänger_innen nichts Besseres zu tun, als ihrem Rassismus Ausdruck zu verleihen. Wir beobachten mit Erschrecken die mediale Aufmerksamkeit für diese Demonstrationen, während von den zunehmenden Angriffen auf die Unterkünfte von Geflüchteten sowie die Menschen selbst kaum zu lesen oder zu hören ist. Im vergangenen Jahr gab es nach offiziellen Zahlen 150 rassistisch motivierte Straftaten, 67 davon im letzten Quartal des Jahres 2014. Die Dunkelziffer bleibt unbekannt.

Ihre Angst um „Überfremdung“ ist nicht unsere Angst!

Wir befürchten – auch wenn sich die Pegida-Geschichte als Eintagsfliege herausstellen sollte, die Demos nachlassen und die Menschen wieder in ihren 4 Wänden verschwinden – dass etwas bleibt, was auch schon vor den Demos da war: Ein ausgeprägter Alltagsrassismus!

Dieser alltägliche Rassismus lebt weiter, auch wenn die Reporter das Weite suchen und die Kameras abgeschaltet sind. Der alltägliche Rassismus findet statt in der Kneipe nebenan, am Arbeitsplatz, bei der Wohnungssuche, in der Schule… eben überall. Er ist verankert im staatlichen Handeln – in den Behörden, durch Gesetze, die nicht alle gleich behandeln, sondern in „Ausländer“, „Asylanten“ und dergleichen spalten… Der Alltagsrassismus wird auch in der Doppelzüngigkeit sichtbar, wenn zum einen zwischen „echten“ und „weniger wichtigen“ Fluchtgründen unterschieden wird und daraufhin Menschen abgeschoben werden, nur weil sie nicht die vermeintlich richtigen Gründe vorweisen können.

Menschen fliehen niemals, weil es ihnen so besonders gut geht. Die Flucht ist immer das allerletzte Mittel, weil eine existenzielle Bedrohung des Lebens vorliegt. Sei dies nun aus wirtschaftlichen oder sonstigen Gründen.

Der Alltagsrassismus trifft neben den Geflüchteten auch die Menschen, die schon seit Jahrzehnten in Deutschland hier leben und deren Kinder, die in Deutschland geboren wurden. Warum? Weil sie aufgrund von Sprache oder Hautfarbe zu „Anderen“ gemacht werden.

Wohin eine solche Grundstimmung des Alltagsrassismus führt, zeigen uns die tödlichen Auswüchse, wie die Pogrome der 1990er Jahre, das jahrelange unentdeckte Morden des NSU sowie die Fokussierung der Ermittlungsbehörden auf das Umfeld der Betroffenen und die weiter andauernden täglichen Übergriffe auf Menschen, die von den Angreifer_innen als „irgendwie anders“ gebrandmarkt werden. Rassismus wird auch in der AfD und ihrer Anhängerschaft deutlich. Sie vertreten Thesen, die Ängste gegenüber Menschen muslimischen Glaubens schüren und gleichgeschlechtlich liebende Menschen ausgrenzen.

Wir wollen keine rassistische Grundstimmung.

Wir wollen ein Leben, das von Solidarität und Empathie gekennzeichnet ist. Wir wollen, dass Menschen als Menschen wahrgenommen werden und nicht als Träger_innen einer Hautfarbe, Mitglieder einer Religion, Zugehörige eines Geschlechts oder einer sexuellen Orientierung, Menschen mit körperlichen oder seelischen Einschränkungen oder Angehörige eines Staates. Gleichberechtigte Teilhabe ist ein Menschenrecht, was immer noch vielen Menschen verwehrt wird. Wir wollen eine solidarische Gesellschaft. Heute, jetzt, gleich! Was ist daran so schwer? Schüren wir nicht das Trennende, sondern stellen das Verbindende und Vereinende voran!

Wir wollen einen freien Zugang für Alle zu menschenwürdiger Arbeit, angemessener Bezahlung, lebenswertem Wohnraum, kultureller Teilhabe und sozialen Begegnungen.

Setzen wir unser Wissen und unsere Ideen ein, um Schluss zu machen mit dem menschenverachtenden Rassismus.

Für eine Gesellschaft, die Türen öffnet, statt Grenzen dicht zu machen!

Lüneburger Netzwerk gegen Rechts

 

Unterstützer_innen:

Alltagskultur e.V., amikeco-Willkommensinitiative e.V, AStA der Lüneburger Leuphana Universität & AntiRassismus-Referat, AWO-Regionalverband Lüneburg/ Uelzen/ Lüchow-Dannenberg e. V., Bleckeder Bündnis für Toleranz, Bündnis’90/Die Grünen – Kreisverband Lüneburg, Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus, DGB – Region Nord-Ost-Niedersachsen, Diakonieverband Nordostniedersachsen der Ev.-luth. Kirchenkreise Lüneburg – Uelzen – Bleckede, DIE LINKE. in Lüneburg, Geschichtswerkstatt Lüneburg, Gewerkschaft Nahrung-Genussmittel-Gaststätten – Region Lüneburg, GEW – KV Lüneburg, Herbergsverein Wohnen und Leben e. V., IG Bauen-Agrar-Umwelt, Bezirksverband Hamburg, IG Bergbau – Chemie –  Energie Ortsgruppe Lüneburg, IG Metall Celle-Lüneburg, JANUN Lüneburg, Lüneburger Netzwerk gegen Rechts, Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus, neue arbeit lüneburg- uelzen gGmbH, Psychiatrische Klinik Lüneburg, Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken / Unterbezirk Nordniedersachsen, spectrum arbeit GbR, SteP gGmbH, ver.di OV Lüneburg, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten – Kreisverband Lüneburg

 

ACHTUNG!!!

Das Netzwerk gegen Rechts möchte diese Stellungnahme in der lokalen Landeszeitung als Anzeige veröffentlichen. Wenn Ihr / Eure Organisation als Unterstützer_innen genannt werden wollt, schreibt uns alle nötigen Angaben und welchen finanziellen Beitrag Ihr dazu leisten könnt in eine eMail an

info [at] netzwerk-gegen-rechts.net

oder einen Kommentar unter diesen Artikel…

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Jun 05 2015

11.06.15 – HIGHLIGHT: Rolf Gössner – Vortrag zur heillosen Verstrickung des „Verfassungsschutz'“ in rechte Szenen und Parteien

„Neonazis im Dienst des Staates – Zur heillosen Verstrickung des „Verfassungsschutzes“…

Flyer-Final-GössnerA5-2015-04-24Ausgehend von der schockierenden Neonazi-Mordserie, die Ende 2011 ohne Zutun des Staats- und Verfassungsschutzes aufgedeckt wurde, widmet sich Rolf Gössner dem Inlandsgeheimdienst «Verfassungsschutz», seiner braunen Vergangenheit und politischen Ausprägung sowie seinem dubiosen V-Leute System, mit dem er Neonazi-Szenen und rechtsextreme Parteien unterwandert hat. Der Referent berichtet aufgrund eigener Recherchen über die skandalöse Verstrickung des «Verfassungsschutzes» in gewaltbereite Neonazi-Szenen sowie über die geheimdienstlichen Praktiken, kriminell gewordene V-Leute selbst gegen Ermittlungen der Polizei abzuschirmen. Und er untersucht, wie der „Verfassungsschutz» im Kampf gegen «Rechtsextremismus» agiert, ob er in seiner Ausprägung als Inlandsgeheimdienst zum Schutz der Verfassung taugt oder Fremdkörper ist in der Demokratie. Aus seinem Befund formuliert Rolf Gössner politische Konsequenzen, die für eine rechtsstaatliche Demokratie und die Bürgerrechte existentiell wichtig sind.

Der Referent Dr. Rolf Gössner arbeitet als Rechtsanwalt und Publizist in Bremen. Er ist Vizepräsident der Internationalen Liga für Menschenrechte (Berlin), stellv. Richter am Staatsgerichtshof der Freien Hansestadt Bremen sowie Mitglied der Deputation für Inneres der Bremischen Bürgerschaft. Mitherausgeber des jährlich erscheinenden «Grundrechte-Reports» und als solcher ausgezeichnet mit der Theodor-Heuss-Medaille 2008; 2012 mit dem Kölner Karlspreis für engagierte Literatur und Publizistik sowie 2013 mit dem Bremer Kultur- und Friedenspreis. Sachverständiger in Gesetzgebungsverfahren des Bundestags und von Landtagen.

20.15 Uhr
Hörsaal 4 der
Universität Lüneburg
Scharnhorststr. 1

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Mai 27 2015

Mi. 03.06.15 – Veranstaltung: „Versagen mit System“

Zur Skandalgeschichte des (so genannten) „Verfassungsschutzes“

Veranstaltung zur Ausstellung „Versagen mit System“

Lüneburger Netzwerk gegen Rechts widmet sich der Skandalgeschichte des Verfassungsschutzes

Offiziell dient der sogenannte Verfassungsschutz (VS) als „Frühwarnsystem“ gegen Bedrohungen der verfassungsmäßigen Ordnung der Bundesrepublik. Ausgehend von der Ausstellung „Versagen mit System“ (vs-ausstellung.tumblr.com) des Forums für kritische Rechtsextremismusforschung (FKR) wird die These vertreten, dass der deutsche Inlandsgeheimdienst selbst eine Gefährdung der Demokratie darstellt.

Die DGB-Region Nord-Ost-Niedersachsen und das Lüneburger Netzwerk gegen Rechts laden nun im Rahmen der Ausstellung „Versagen mit System“ die vom 30.05. bis 14.06.2015 an der Universität Lüneburg gezeigt wird für kommenden Mittwoch den 03.06.15 um 19 Uhr zu einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung ein. Anhand von Beispielen zeigt Frank Schubert vom Leipziger Forum für kritische Rechtsextremismusforschung, wie die Kompetenzen des VS in Reaktion auf die regelmäßig bekannt gewordenen „Pannen“ und Skandale in der Vergangenheit immer weiter ausgeweitet wurden. Etwa durch eine zunehmende aktive Öffentlichkeitsarbeit und Maßnahmen der politischen Bildung im Rahmen des Konzepts „Verfassungsschutz durch Aufklärung“. Schließlich soll diskutiert werden, wie der VS treffend kritisiert werden kann und welche Fallstricke dabei zu vermeiden sind. Vorgestellt werden zudem aktuelle Kampagnen wie „BlackBox Verfassungsschutz“ und „Ausgeschnüffelt. Verfassung schützen – Geheimdienst abschaffen!“

Ort: Cafe PlanB, Universität Lüneburg, Scharnhorststraße 1, Gebäude 9, 1 Etage

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Apr 21 2015

10. Mai 2015: Dokumentarfilm “Ozarichi” im Scala-Kino

Kurz nach dem Befreiungstag des 8. Mai zeigt die
VVN-BdA-Kreisvereinigung Lüneburg
zusammen mit dem 
“Scala-Kino” Lüneburg

am Sonntag, den 10. Mai 2015,
um 11:00 Uhr den “Ozarichi”-Dokufilm.

In der Nähe der Ortschaft Ozarichi in Weißrussland haben im März 1944 Wehrmachtstruppen der 9. Armee ein furchtbares Kriegsverbrechen begangen, bei dem innerhalb weniger Tage etwa 10.000 für die Wehrmacht “unproduktive und damit nutzlose” Zivilisten zu Tode gebracht wurden (https://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Osaritschi).
Daran beteiligten sich auch Einheiten der 110. Infanteriedivision, die u.a. in Lüneburg  aufgestellt worden und z.T. dort in der Scharnhorst-Kaserne (heute Leuphana) stationiert waren. Für die toten Soldaten dieser Division steht in Lüneburg Am Springintgut seit 1960 ein “Ehrenmal”, das von der Stadt bis heute gepflegt wird. Während Veteranen dort über Jahrzehnte ihre Kameraden und deren “Pflichterfüllung” ehrten, hatten wir dieses Denkmal und diese Wehrmachtstruppe nicht im Blick. Erst als der “Manzke-Friedenspfad” es im letzten Jahr zu einer seiner Stationen machte und mit einer apologetischen Texttafel verzierte – haben wir angefangen nachzuforschen und die mörderische Geschichte herausgefunden.
Seit Anfang des Jahres ziert auch ein “Mörder”-Schriftzug dieses Denkmal, der trotz umgehend von der Stadt beauftragter Reinigungsarbeiten nicht unleserlich wurde.  “Die Welt”-Lesende unter uns hätten dieses Mörder-Tun beinahe schon früher wissen können (http://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article125647121/Wehrmacht-liess-in-Lager-nutzlose-Esser-verenden.html), beinahe nur deswegen, weil in diesem Artikel die Täterschaft der 110. I.D. nicht vorkommt. Das u.a. wird nun in dem Ozarichi- Film deutlich, den die VVN-BdA in der Scala zeigen wird. Dieser Film wurde von Prof. Rass, jetzt Uni Osnabrück, 2005-2006 mit Studierenden u.a. nach Forschungen an den Orten des Verbrechens erstellt. (http://www.hsozkult.de/event/id/termine-5338).

 

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Apr 20 2015

8. Mai 1945 – 8. Mai 2015

70. Jahrestag der Befreiung

Am 8. Mai 1945 wurde nahezu ganz Europa von Faschismus und Krieg befreit. In Deutschland erlebten in erster Linie die überlebenden Verfolgten, die Tausenden, die noch in den KZ´s eingesperrt waren und Widerstandskämpfer*innen diesen Tag als Befreiung. Aber auch wir alle,

die wir heute leben, verdanken die Chance eines Lebens in Frieden, Freiheit und Vielfalt den Menschen, die den Faschismus bekämpften und Nazi-Deutschland besiegten. Die alliierten Streitkräfte, unter denen die Rote Armee mit Abstand die größte Last des Krieges in Europa zu tragen hatte, sind und bleiben auch unsere Befreier*innen. Mit besonderer Dankbarkeit erinnern wir an den Beitrag, den der antifaschistische Widerstand in Deutschland, in der Emigration, als Teil von Partisanenverbänden und in den Streitkräften der Antihitlerkoalition geleistet hat.

 

Am 18. April 1945 besetzten britische Truppen Lüneburg und beendeten die 12jährige Herrschaft der Nazis. Am 4. Mai 1945 kapitulierten auf dem Timeloberg nahe Deutsch-Evern die deutschen Truppen in Nordwestdeutschland. Noch wenige Tage vor der Befreiung Lüneburgs mussten hier über 250 Häftlinge eines KZ-Transports sterben. Sie starben bei einem Luftangriff oder wurden

von der Wachmannschaft erschossen. Allein am 11. April 1945 wurden 60 bis 80 Häftlinge in der Nähe des Bahnhofs ermordet.

Mehr als 55 Millionen Menschen fielen Naziterror, Holocaust und Vernichtungskrieg zum Opfer. Sie bezahlten den deutschen Griff nach der Weltherrschaft mit unvorstellbarem Leid und ihrem Leben. In nahezu allen ehemals von Nazideutschland besetzten Ländern wurden der 8. und/oder 9. Mai gesetzliche Feiertage. Genau 40 Jahre hat es gedauert, bis ein Präsident der Bundesrepublik an einem 8. Mai von Befreiung gesprochen hat. Mit Weizsäckers Rede wurde die Perspektive der Verfolgten des Naziregimes »gesellschaftsfähig«.

 

Wir fordern, dass der 8. Mai als Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg endlich auch in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag wird.

 

Der Wiedereintritt Deutschlands in die Reihe der kriegsführenden Länder stellt einen Bruch mit dem Nachkriegskonsens »Es soll nie wieder Krieg von deutschem Boden ausgehen« als wichtigste Lehre aus der jüngeren deutschen Geschichte dar. In vielen Ländern der Welt, im Irak, in Syrien, in der Ukraine und des afrikanischen Kontinents toben Kriege. Wieder sind deutsche Waffen – und oft auch deutsches Militär – beteiligt. Die Bereitschaft, »deutsche Interessen« erneut mit militärischen Mitteln durchzusetzen ist in Regierung und Bundestag gegen den Willen der

Mehrheit der Bevölkerung wieder politische Praxis geworden.

 

Am 8. Mai, den die Überlebenden als »Morgenröte der Menschheit« erlebt haben, wie es der als Jude und Kommunist verfolgte Résistance-Kämpfer Peter Gingold ausgedrückt hat, wollen wir heute an die Hoffnung der Befreiten auf eine Welt ohne Kriege, Elend und Unterdrückung erinnern und diese als Impuls nehmen, weiter an der Schaffung einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit zu arbeiten, so wie es die befreiten Häftlinge von Buchenwald geschworen haben.

 

Der 8. Mai ist ein Tag zum Feiern, an dem es auch darum geht, einen Beitrag für die Gegenwart und Zukunft zu leisten, damit die neuen Nazis niemals eine Chance bekommen dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte zu wiederholen.

 

Freitag, 8. Mai 2015

Kundgebung und Infomeile

16 Uhr

Vor der IHK / Am Sande

Lüneburg

 

 

Lüneburger Netzwerk gegen Rechts

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Nov 16 2014

Di. 25.11.14: Braune Schatten – Extrem rechte Erscheinungsformen und Aktivitäten in Bleckede

Nicht immer sofort erkennbar, aber dennoch sind auch in Bleckede rechte Jugendliche und Neonazis aktiv. Sichtbar wird dies immer mal wieder durch viele Aufkleber der NPD, neonazistischer Kameradschaftsgruppen oder der rassistischen Gruppierung der „Identitären“. Auch kam es schon mehrmals zu rassistischen Beleidigungen und Bedrohungen.

Ein Gruppe von jungen Leuten aus der Region versucht hier „ihr Revier“ zu markieren und macht aus ihrer rechten Einstellung keinen Hehl. Verbindungen gibt es durchaus zu organisierten Aktivisten verschiedenster extrem rechter Gruppen und Parteien.

Aus dem Ortsteil Karze stammt zudem ein rechtes Zeitungsprojekt. Auch war Bleckede immer wieder Schauplatz extrem rechter Aktivitäten, wie Ende der 1980er Jahre, wo eine rechte Skinheadgruppe aktiv war oder in der 1990er Jahre wo örtliche NPD-Aktivisten vor Ort zu wirken versuchten.

Gibt es Neonazis in Bleckede und Umgebung? Was bedeutet die „88“ und wer sind die „Bleckeder Jungs“? Wie sehen die extrem rechten Erscheinungsformen und Aktivitäten in der Region aus? Welche Gefahren gehen davon aus? Diese und andere Fragen sollen mit der Veranstaltung beantwortet und Gegenstrategien erörtert werden.

[important]Dienstag, 25. November 201419:00 Uhr
Bleckeder Haus, Schützenweg, Bleckede[/important]

Es laden ein:

Bleckeder Bündnis für Toleranz
Lüneburger Netzwerk gegen Rechts
Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) – Region Nord-Ost-Niedersachsen

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Nov 16 2014

So. 23.11.14: Gedenkveranstaltung zum 22. Jahrestag des rassistischen Brandanschlags von Mölln 1992

anıları canlı tutma mücadelesi
das erinnern erkämpfen
reclaim and remember

Die Erinnerung zurück zu erkämpfen – an das Geschehene, an das Vergessene, an das Verschwiegene, an das unter den Teppich Gekehrte, an die Ursachen und die Folgen, an das Davor und das Danach. Diese Forderungen sind nach wie vor aktuell.

Das Haus der Familie Arslan wurde am 23.11.1992 von neofaschistischen Tätern mit Molotow-Cocktails angezündet. Bei dem Anschlag wurden die 10jährige Yeliz Arslan, die 14jährige  Ayşe Yilmaz und die 51jährige Bahide Arslan ermordet. Weitere Familienmitglieder wurden teilweise sehr schwer verletzt.  Zuvor hatten die Neonazis bereits einen Brandanschlag auf die Ratzeburger Straße 13 verübt, wo ebenfalls Menschen türkischer Herkunft wohnten. Neun von ihnen erlitten schwere Verletzungen.

Gedenken ist nichts Abstraktes. Gedenken ist persönlich und darin politisch. Gedenken trägt viele Facetten in sich: Wut und Stille, Trauer und Verzweiflung. Im Gedenken und Erinnern gibt es Brüche, Veränderungen und Unterschiede. Gedenken ist lebendig. Gedenken hält die Ermordeten lebendig. Gedenken ist immer mit den Menschen verknüpft, an die gedacht wird. Es geht um die Menschen, die fehlen. Es geht um die Erinnerung derjenigen, die überlebt haben. Im Gedenken sind die Angehörigen der Ermordeten und  die Überlebenden rassistischer und neofaschistischer Gewalt unverzichtbar.

(…)

Sonntag, 23. November 2014
„Reclaim and Remember“
Offenes Gedenken an Bahide und Yeliz Arslan und Ayşe Yilmaz
Ort: Vor dem Bahide-Arslan-Haus
Beginn: 15.00
Ende: 19.00 Uhr
Anschrift: Mühlenstraße 9, Mölln
Offenes Gedenken

23 Kasım 2014, Pazar günü
“Reclaim and Remember”
Bahide ve Yeliz Arslan ile Ayşe Yılmaz için herkese açık anma.
Yer: Bahide Arslan Evi’nin önü
Başlama saati: 15:00
Bitiş saati: 19:00
Adres: Mühlenweg 9, Mölln

 

(Quelle: http://gedenkenmoelln1992.wordpress.com )

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Okt 19 2014

Do, 06.-21.11: Ausstellung Nicolaikirche: „Opfer rechter Gewalt in Deutschland 1990 – 2012“

Vom 6. bis 21. November 2014 zeigt das Lüneburger Netzwerk gegen Rechts in der St. Nicolai-Kirche die Ausstellung „Opfer rechter Gewalt in
Deutschland 1990 – 2012“. Die Ausstellung porträtiert Menschen, die seit 1990 rechter Gewalt zum Opfer gefallen sind. Viele wurden getötet, weil für sie im Weltbild der extremen Rechten kein Platz war; manche, weil sie den Mut hatten, Neonazi-Parolen zu widersprechen. Einige Schicksale bewegten die Öffentlichkeit, andere wurden kaum zur Kenntnis genommen, vergessen sind die meisten. Die Ausstellung gibt den Opfern Namen und Gesichter, sie holt sie aus der Anonymität und ruft sie in Erinnerung.
Die Wanderausstellung ist ein Projekt von Rebecca Forner und der Opferperspektive e.V..

Informationen zur Ausstellung: www.opfer-rechter-gewalt.de

Es werden Führungen durch die Ausstellungen angeboten. Anmeldungen bitte
an ausstellung@gmx.org

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