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Aug 12 2016

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22.08.2016-Veranstaltung: „Antifeminismus von Rechts“

Mehr als Altmännerphantasien – Der rechte Kulturkampf der AfD

Veranstaltung mit Andreas Kemper

In weiten Teilen Europas erleben wir einen feministischen Rollback. Vielerorts organisieren sich Konservative und Rechte um gegen die Gleichstellung von Geschlechtern, sexueller Orientierung und unterschiedlichen Lebensmodellen zu kämpfen. In Deutschland haben solche Kreise mit der AfD ein parlamentarisches Sprachrohr gefunden.

Im selbsterklärten „Kampf gegen den Genderismus“ und mit populistischen Forderungen zur Besserstellung „deutscher Familien“ hat die extreme Rechte strömungsübergreifend Themen ausgemacht, von denen sie sich Anschluss an Diskurse im bürgerlichen Mainstream verspricht. Unter Schlagwörtern wie „Frühsexualisierung“ von Kindern, „Raubtierfeminismus“ und angeblichen „Beziehungen der Beliebigkeit“ machen antifeministische Akteure auch jenseits der extremen Rechten Stimmung gegen die Gleichstellungspolitiken, die „Ehe für alle“ und die Anerkennung vielfältiger Lebensformen. Auch wenn eine offene Zusammenarbeit bislang nur punktuell zu beobachten ist, zeugen gegenseitige Bezugnahmen und geteilte Argumentationslinien von Schnittmengen im organisierten Antifeminismus diesseits und jenseits der extremen Rechten.

Mit der AfD hat sich eine rechtspopulistische Partei rechts von der CDU etabliert. So wird in Deutschland ein Trend nachgeholt, der in anderen Ländern Europas schon vor Jahren begann. Die AfD ist nicht nur eine rassistische und im Kern neoliberale Partei, sie ist auch zutiefst antifeministisch. Sie spricht vom Gender-Wahn, ist gegen die Frauenquote und das Recht auf Schwangerschaftsabbruch. Vorsitzende, Frauke Petry, wünscht sich, dass jede deutsche Frau drei Kinder bekommt, um das »Schrumpfen als deutsches Volk« zu verhindern. Ihr Familienbild scheint der Phantasie alternder Männer zu entspringen.

In seinem Vortrag wird der Soziologe und Autor Andreas Kemper die gesellschaftlichen Kräfte darstellen, die maßgeblich gegen sexuelle und reproduktive Rechte aktiv sind. Es sollen die Schnittmengen und Unterschiede in den Strategien des in sich heterogenen Milieus antifeministischer Akteure aufgezeigt und danach gefragt werden, inwieweit es der extremen Rechten gelingt, aktuell Einfluss in gesellschaftliche Debatten etwa um die Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare zu gewinnen.

Ein Schwerpunkt wird dabei auf die geschlechter- und familienpolitischen Ziele der AfD gelegt. Die AfD führt einen Kulturkampf von rechts. Was macht ihn aus? Warum ist er gerade so erfolgreich und wie können fortschrittliche Gegenentwürfe einer Gesellschaft, die auf soziale Gerechtigkeit, Demokratie und Gleichheit setzt aussehen?

Andreas Kemper (andreaskemper.wordpress.com) veröffentlichte neben dem Buch zur AfD „Rechte Euro-Rebellion“ eine Einführung in das Thema Klassismus, sowie kritische Bücher zum organisierten Antifeminismus/Maskulismus. Anfang März 2014 erschien seine Publikation „Sarrazins Correctness. Zur Tradition der Menschen- und Bevölkerungskorrekturen“ und eine Expertise zur Geschlechterpolitik der AfD („Keimzelle der Nation?“ Friedrich-Ebert-Stiftung). Andreas Kemper promoviert in Münster zum Thema Klassismus.

Montag, 22. August 2016, 19 Uhr
Leuphana Unversität, Hörsaal 4
Scharnhorststr. 1, 21335 Lüneburg

Eine gemeinsame Veranstaltung vom Lady*Fest Lüneburg, Arbeitskreis Antisexismus im Anna & Arthur und der Antifaschistischen Aktion Lüneburg / Uelzen. In Kooperation mit dem Lüneburger Bündnis „Aufstehen gegen Rassismus!“.

Das lady*fest Lüneburg wird im Rahmens des Förderprogramms Generation³ aus Mitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung gefördert.

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