Pegida – Alltagsrassismus bekommt ein Gesicht

Seit einigen Monaten stehen auf Marktplätzen quer durch die Republik tausende Menschen, die sich über die, ihrer Meinung nach, zunehmende „Islamisierung“ der Gesellschaft beklagen. Anstatt sich aktiv einzubringen und Menschen zu unterstützen, die aus der schlimmsten Gefahr um ihr Leben fliehen, oftmals schwerst traumatisiert sind und hier in aller Regel nach einer langjährigen Flucht endlich Schutz, Hilfe und Geborgenheit finden möchten, haben diese Pegida-Gänger_innen nichts Besseres zu tun, als ihrem Rassismus Ausdruck zu verleihen. Wir beobachten mit Erschrecken die mediale Aufmerksamkeit für diese Demonstrationen, während von den zunehmenden Angriffen auf die Unterkünfte von Geflüchteten sowie die Menschen selbst kaum zu lesen oder zu hören ist. Im vergangenen Jahr gab es nach offiziellen Zahlen 150 rassistisch motivierte Straftaten, 67 davon im letzten Quartal des Jahres 2014. Die Dunkelziffer bleibt unbekannt.

Ihre Angst um “Überfremdung” ist nicht unsere Angst!

Wir befürchten – auch wenn sich die Pegida-Geschichte als Eintagsfliege herausstellen sollte, die Demos nachlassen und die Menschen wieder in ihren 4 Wänden verschwinden – dass etwas bleibt, was auch schon vor den Demos da war: Ein ausgeprägter Alltagsrassismus!

Dieser alltägliche Rassismus lebt weiter, auch wenn die Reporter das Weite suchen und die Kameras abgeschaltet sind. Der alltägliche Rassismus findet statt in der Kneipe nebenan, am Arbeitsplatz, bei der Wohnungssuche, in der Schule… eben überall. Er ist verankert im staatlichen Handeln – in den Behörden, durch Gesetze, die nicht alle gleich behandeln, sondern in “Ausländer”, “Asylanten” und dergleichen spalten… Der Alltagsrassismus wird auch in der Doppelzüngigkeit sichtbar, wenn zum einen zwischen “echten” und “weniger wichtigen” Fluchtgründen unterschieden wird und daraufhin Menschen abgeschoben werden, nur weil sie nicht die vermeintlich richtigen Gründe vorweisen können.

Menschen fliehen niemals, weil es ihnen so besonders gut geht. Die Flucht ist immer das allerletzte Mittel, weil eine existenzielle Bedrohung des Lebens vorliegt. Sei dies nun aus wirtschaftlichen oder sonstigen Gründen.

Der Alltagsrassismus trifft neben den Geflüchteten auch die Menschen, die schon seit Jahrzehnten in Deutschland hier leben und deren Kinder, die in Deutschland geboren wurden. Warum? Weil sie aufgrund von Sprache oder Hautfarbe zu „Anderen“ gemacht werden.

Wohin eine solche Grundstimmung des Alltagsrassismus führt, zeigen uns die tödlichen Auswüchse, wie die Pogrome der 1990er Jahre, das jahrelange unentdeckte Morden des NSU sowie die Fokussierung der Ermittlungsbehörden auf das Umfeld der Betroffenen und die weiter andauernden täglichen Übergriffe auf Menschen, die von den Angreifer_innen als „irgendwie anders“ gebrandmarkt werden. Rassismus wird auch in der AfD und ihrer Anhängerschaft deutlich. Sie vertreten Thesen, die Ängste gegenüber Menschen muslimischen Glaubens schüren und gleichgeschlechtlich liebende Menschen ausgrenzen.

Wir wollen keine rassistische Grundstimmung.

Wir wollen ein Leben, das von Solidarität und Empathie gekennzeichnet ist. Wir wollen, dass Menschen als Menschen wahrgenommen werden und nicht als Träger_innen einer Hautfarbe, Mitglieder einer Religion, Zugehörige eines Geschlechts oder einer sexuellen Orientierung, Menschen mit körperlichen oder seelischen Einschränkungen oder Angehörige eines Staates. Gleichberechtigte Teilhabe ist ein Menschenrecht, was immer noch vielen Menschen verwehrt wird. Wir wollen eine solidarische Gesellschaft. Heute, jetzt, gleich! Was ist daran so schwer? Schüren wir nicht das Trennende, sondern stellen das Verbindende und Vereinende voran!

Wir wollen einen freien Zugang für Alle zu menschenwürdiger Arbeit, angemessener Bezahlung, lebenswertem Wohnraum, kultureller Teilhabe und sozialen Begegnungen.

Setzen wir unser Wissen und unsere Ideen ein, um Schluss zu machen mit dem menschenverachtenden Rassismus.

Für eine Gesellschaft, die Türen öffnet, statt Grenzen dicht zu machen!

Lüneburger Netzwerk gegen Rechts

 

Unterstützer_innen:

Alltagskultur e.V., amikeco-Willkommensinitiative e.V, AStA der Lüneburger Leuphana Universität & AntiRassismus-Referat, AWO-Regionalverband Lüneburg/ Uelzen/ Lüchow-Dannenberg e. V., Bleckeder Bündnis für Toleranz, Bündnis’90/Die Grünen – Kreisverband Lüneburg, Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus, DGB – Region Nord-Ost-Niedersachsen, Diakonieverband Nordostniedersachsen der Ev.-luth. Kirchenkreise Lüneburg – Uelzen – Bleckede, DIE LINKE. in Lüneburg, Geschichtswerkstatt Lüneburg, Gewerkschaft Nahrung-Genussmittel-Gaststätten – Region Lüneburg, GEW – KV Lüneburg, Herbergsverein Wohnen und Leben e. V., IG Bauen-Agrar-Umwelt, Bezirksverband Hamburg, IG Bergbau – Chemie –  Energie Ortsgruppe Lüneburg, IG Metall Celle-Lüneburg, JANUN Lüneburg, Lüneburger Netzwerk gegen Rechts, Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus, neue arbeit lüneburg- uelzen gGmbH, Psychiatrische Klinik Lüneburg, Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken / Unterbezirk Nordniedersachsen, spectrum arbeit GbR, SteP gGmbH, ver.di OV Lüneburg, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten – Kreisverband Lüneburg

 

ACHTUNG!!!

Das Netzwerk gegen Rechts möchte diese Stellungnahme in der lokalen Landeszeitung als Anzeige veröffentlichen. Wenn Ihr / Eure Organisation als Unterstützer_innen genannt werden wollt, schreibt uns alle nötigen Angaben und welchen finanziellen Beitrag Ihr dazu leisten könnt in eine eMail an

info [at] netzwerk-gegen-rechts.net

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