Leserbrief

Hier der Leserbrief von Hans-Jürgen Brennecke in Textform, weiter unten ist er dann noch einmal als gescannte Bilddatei nachzulesen:

Leserbrief zu „Die Herde der traurigen Gäule“ LZ vom 26.1.2012

Das „Kriegerdenkmal“, der Reiter im Clamart-Park kommt weg. Wozu historische Kenntnis und wiederholte Protestaktionen seit vielen Jahren nicht führten, das schafft der Hansetag. Hurra auf das Marketing. Im Mai 1939 aufgestellt mit militärischem Aufmarsch einschließlich Hitlerjugend und großem Pathos zur psychologischen Vorbereitung des jahrelang geplanten Angriffskrieges, der bekanntlich am 1. September 1939 mit dem Überfall auf Polen begann. Dieser „Krieger“ dokumentiert unsere millionenfachen „Ehrenmorde“ (auf zwei Tafeln am Sockel steht: „…für Deutschlands Ehre….”). Andernorts ist Kriegsverherrlichung verboten. Er reitet ziemlich genau dahin, wo Belgien, Niederlande und Nord-Frankreich zweimal vom deutschen Militär überfallen wurden. Jahrzehnte danach wird dem Park zur Friedens- und Völkerverständigung mit Frankreich der Name der Partnerstadt verliehen: Clamart. Aber der Krieger bleibt. Das Bewusstsein der Bevölkerung in Deutschland ist wesentlich weniger positiv zum Krieg eingestellt, als die zahlreichen Kriegerdenkmale in Lüneburg glauben machen wollen.Solche Vorbilder sollten nicht mehr öffentlich und kommentarlos zur Schau gestellt werden. Die Opfer der Nazizeit dagegen kommen kaum vor im öffentlichen Raum Lüneburgs. Wo ist eine würdige Gedenkstätte, in welchem Museum findet man etwas dazu? Uelzen gedenkt seiner ermordeten Juden mit allen Namen auf einer ansehnlichen Tafel an zentralem Ort. Osnabrück baut eine Gedenkstätte für Zwangsarbeiter (Kosten 200 000.- Euro), Emden hat ein eigenes „Bunkermuseum“ für diese Zeit… Es muss die Stadt nichts kosten, Fördergelder gibt es in Land und Bund genug dafür. Es müsste nur der Bedarf gesehen werden. Schüler, die ein Thema des 3. Reichs in Lüneburg bearbeiten sollen, suchen lange: Internet – ein wenig, Stadt – nichts, Ratsbücherei – mangelhaft, öffentlicher Raum – fast nichts, Archiv von Stadt oder Landkreis – nur ungeordnete Reste, Museen – gar nichts… Erst bei VVN-Bund der Antifaschisten oder Geschichtswerkstatt in Lüneburg werden sie fündig. Es sollte dem Stadt- und dem Kreisrat nicht so schwer fallen, auch angesichts der Hitler-Jünger von heute und ihrer Taten, sich von Relikten der Nazizeit zu trennen, die Folgen von Gewaltherrschaft, Rassismus, Antisemitismus und verwandtem Glauben darzustellen und stattdessen Informationen und Symbole für Konfliktlösung, Mediation, Friedensarbeit zur Verfügung zu stellen. Der Kulturausschuss könnte mal wenigstens eine Sitzung sich nur diesem Thema widmen und ein Konzept für Stadt und Landkreis in Auftrag geben.

Mit freundlicher Genehmigung des Verfassers

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